Crowdfunding & öffentliche Förderung

Kulturförderung ist die Gesamtheit der öffentlich finanzierten oder subventionierten Kultur innerhalb eines Gemeinwesens. Die Zuständigkeit der Kulturförderung ist in den jeweiligen Landesverfassungen verankert. So erfolgt in Berlin die Kulturförderung auf Grundlage der Landeshaushaltsordnung – LHO in Form von Zuwendungen bzw. Zuschüssen. Gefördert werden grundsätzlich nur gemeinnützige Projekte und Einrichtungen ohne Gewinnerzielungsabsicht. (Kommerzielle Kulturanbieter und -projekte fallen in den Bereich der Wirtschaftsförderung). Crowdfunding hingegen ist eine (noch) recht junge und die Kulturförderung ergänzende Form der Selbstfinanzierung. Die Finanzierung erfolgt hier durch eine Vielzahl von Fans und Unterstützerinnen und Unterstützern – fern des Antragswesens.

Öffentliche Kulturförderung ist in der Regel Fehlbedarfsfinanzierung – egal ob Projekte oder Institutionen finanziert werden sollen. Was kostet das Projekt? (viel) Was nimmt es ein? (weniger). Die Differenz (den Fehlbedarf) finanziert die Förderung, es wird also nur die „Lücke“ geschlossen. Für die Akquise von zusätzlichen Geldern, sog. Drittmitteln, wie z.B. Crowdfunding, aber auch Spenden etc. ist das insofern relevant, als dass jeder über den im Antrag ausgewiesenen Fehlbedarf hinaus eingenommene Euro nicht dem Projekt zu Gute kommt, sondern zunächst einmal den Fehlbetrag reduziert. Beispiel: Nimmt ein Empfänger von Fördermitteln über Crowdfunding also nachträglich mehr Geld als erwartet ein, reduziert sich auch der Fehlbedarf. Die Differenz zwischen der ursprünglich gewährten Förderung und dem neuen, geringeren Fehlbetrag muss an den Fördergeber zurückgezahlt werden.

Grundsätzlich solltest du dich vor Abgabe deines Förderantrags an die Ansprechpartnerinnen und -partner des jeweiligen Förderprogramms wenden, um den Finanzierungsplan hinsichtlich einer Crowdfunding-Position zu besprechen.
Generell gibt es drei Wege, dies zu organisieren, allerdings mit unterschiedlichen Problemstellungen:

1. Man startet erst eine Crowdfunding-Kampagne und stellt dann ergänzend den Antrag auf öffentliche Förderung. In diesem Fall werden die Crowdfunding-Einnahmen wie andere Eigen- oder Drittmittel behandelt. Risiko: Sollte die öffentliche Förderung nicht bewilligt werden, muss man einen anderen Geldgeber finden. Im ungünstigsten Fall kommt das Projekt nicht zustande. Oder: Man legt die Crowdfunding-Kampagne so an, dass das Projekt auch ohne eine öffentliche Förderung zumindest in Teilen realisierbar ist.

2. Man baut die Einnahmen aus Crowdfunding als zu erwartende Drittmittel in den Kosten- und Finanzierungsplan mit ein. Bei einem mit der Antragstellung zu begründendem Umfang des Projektes (Ausgaben!) entsteht gleichwohl ein Fehlbetrag, der als Förderbedarf ausgewiesen wird. Risiko: Die Einnahmen aus Crowdfunding kommen nicht in der geplanten Höhe, dann muss man auf der Ausgabenseite abspecken können.
Wenn mehr Einnahmen als geplant generiert werden, dann reduziert sich der Fehlbedarf. Gegebenenfalls kann man in Abstimmung mit der Kulturverwaltung das Projekt dann per Änderungsantrag ausweiten. Wichtig: Entsprechende Änderungsanträge müssen vor der Umsetzung gestellt werden!

3. Man teilt das Projekt in zwei Teile und leitet zwei Finanzierungsprozesse ein. Bei einem Teilprojekt hat man einen Fehlbedarf und beantragt dafür eine öffentliche Förderung. Das zweite Teilprojekt finanziert man ausschließlich über Crowdfunding. (z.B. Ausstellung über Fehlbedarf; Katalog über Crowdfunding). Risiko: Die Einnahmen über Crowdfunding kommen nicht, dann muss man abspecken können.
Es gilt zu beachten, dass Crowdfunding nicht zusätzlich genutzt werden darf, wenn man das Projekt schon beantragt hat und das Projekt bereits läuft. Dann kann man mit Crowdfunding nur etwas Zusätzliches machen, das zwar inhaltlich zum Projekt passt, aber im Antrag nicht auftaucht.

Das ist vom Förderprogramm abhängig. Bewirbt man sich für eine Förderung durch den EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung), muss der Crowdfunding-Gewinn als Drittmittel schon vor dem Antrag bestehen. EFRE-Mittel können nicht nachträglich mit Crowdfunding Maßnahmen kofinanziert werden.

Bei Förderprogrammen des Landes Berlin können Antragsstellerinnen und Antragsteller in der Regel die benötigten Geldmittel auch nachträglich mit Mitteln aus Crowdfunding auffüllen. Hier muss man allerdings wieder beachten, dass bei einer Fehlbedarfsfinanzierung ein eventuell höherer Erlös aus dem Crowdfunding den Fehlbetrag, also die Fördersumme, mindert.

Wichtig: Die öffentlichen Fördermittel für das Projekt können von der Kulturverwaltung nur endgültig bewilligt werden, wenn die Gesamtfinanzierung des Projekts gesichert ist. Bis dahin können Fördermittel nur in Aussicht gestellt werden!

Back to top top