19 Oktober, 2018

Danai Moschona: „Wir sind kein Migranten-Magazin"

Danai Moschona wurde in Athen geboren, sie hat in Ägypten gelebt, kam dann nach Deutschland und hat jetzt ein deutsch-griechisches Magazin auf den Markt gebracht: A-B.international. A steht für Athen, B für Berlin. Es ist „das erste unabhängige Kulturmagazin in griechischer und deutscher Sprache“ mit dem Ziel, den deutsch-griechischen Diskurs zu intensivieren – finanziert hat sie es über Crowdfunding. Vor einem Jahr war Danai bei uns in der Crowdfunding-Beratung. Wir fragen in einer neuen Reihe „Nachgefragt“ nach, was Kulturakteure nach der Beratung gemacht haben und wie die Kampagne lief. Wir trafen die Jungjournalistin bei 25 Grad mitten im Oktober – fängt schon mal gut an.

 

Interview: Jens Thomas

 

Im Gespräch mit Crowdfunding Berlin: Danai Moschona. Foto: Jens Thomas

 

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Hallo Danai, du bist in Athen geboren, hast in Ägypten gelebt, deine Eltern sind Diplomaten und jetzt hast du ein deutsch-griechisches Magazin auf den Markt gebracht. Würdest du sagen, dass dir dein kulturellerer Background geholfen hat, ein wirklich spannendes, vielfältiges Heft zu produzieren?

Das weiß ich gar nicht. Aber ja, ich trage viele kulturelle Verschiedenheiten in mir und das bereichert mich und sicherlich auch andere.

A-B.international ist das erste unabhängige Kulturmagazin in griechischer und deutscher Sprache mit dem Ziel, den deutsch-griechischen Diskurs zu intensivieren. Wo ist denn das Problem?

Es gibt auf beiden Seiten unglaublich viele Missverständnisse und auch Vorurteile. Wirklich bewusst wurde mir das, als ich letztes Jahr in Athen auf der Dokumenta war und mich Theo besucht hat, Theo ist unser drittes Redaktionsmitglied. So wollte er den Griechen gegenüber nicht sagen, dass er Deutscher ist. Auch meinte er, dass es den Leuten in Athen trotz der Krise doch gut gehe. Man sehe die Krise ja auf den Straßen nicht. Auf der anderen Seite gibt es viele Vorurteile auf der griechischen Seite. Hier erzählt man sich, dass die Deutschen geizig sind. Da kam mir die Idee mit dem Magazin, ein erstes Magazin, das den deutsch-griechischen Diskurs wagt. Ein Printheft, das man in der Hand hält.

Was steht denn drin im Magazin?

Ganz viele spannende Dinge. Zunächst gibt es viele politische Beiträge, so zum Beispiel über die goldene Morgenröte in Athen. Darüber weiß man in Deutschland wenig. Die goldene Morgenröte ist eine neonazistische Partei in Griechenland, die 1985 aus dem Umfeld der seit 1980 erscheinenden gleichnamigen Zeitung hervorging. Seit 1993 ist sie als Partei registriert. Sie ist sehr gefährlich. Wir haben aber auch einen Beitrag zur linksextremen Szene in Athen. Dann bilden wir ganz viele künstlerische Perspektiven ab, die die Situation in Athen und auch in Berlin beleuchten. Wir führen den deutsch-griechischen Dialog.

Über das Thema deutsch-griechische Beziehungen ist wenig bekannt. Dabei sind die Griechen die älteste Ethnie außerhalb des Mittelmeerraums. 1955 fanden die ersten Anwerberverträge in Deutschland mit Griechenland statt. Heute leben in Deutschland rund 375.000 Personen mit griechischem Migrationshintergrund, etwa 290.000 davon hatten Ende 2011 die griechische Staatsbürgerschaft. Sind genau das eure Leser? Also vorwiegend Griechen, die in Deutschland leben?

Nein, unsere Leser sind Deutsche und Griechen. Wir sind kein Migranten-Magazin. Unsere Lesergruppe ist auch sehr jung, sie sind aufgeschlossen, weltoffen. Es sind welche, die sich vielfältig interessieren, und die sich über politische und kulturelle Themen informieren wollen.

Ihr habt das Magazin über Crowdfunding finanziert, rund 6500 Euro habt ihr eingenommen. Ist das gut, wenn man so einen klaren Fokus hat, weil die Zielgruppe dann auch klar ist, oder ist das schlecht, weil die Zielgruppe womöglich sehr begrenzt ist?

Ich würde gar nicht sagen, dass unsere Zielgruppe begrenzt ist. Aber ja, für den Anfang ist das gut. Ich will aber auch, dass die Zielgruppe wächst. Unser Magazin betrifft ja auch nicht nur die Deutschen und Griechen, es ist ein grundsätzliches Problem, das wir angehen. Der Rechtspopulismus ist auf dem Vormarsch, die Europäische Union zerfällt gegenwärtig in Einzelstaaten, separatistische Bestrebungen nehmen zu. Tatsächlich sind viele Leute an unserem Magazin interessiert, die erstmal keine Ahnung von Griechenland haben. Im Grunde sind wir wie arte, nur eben kein deutsch-französischer Sender. Wir sind arte in klein, bezogen auf die deutsch-griechischen Beziehung, ohne uns darauf zu beschränken.

Du warst im letzten Jahr bei uns in der Crowdfunding-Beratung. Mit welchen Fragen bist du zu uns gekommen? Und was hat dir die Beratung gebracht?

Ich hatte damals überhaupt keine Ahnung von Crowdfunding. Laura hat uns dann dieses schöne Crowdfunding-Canvas gegeben, eine Art Skizze mit Feldern, in denen man Prioritäten setzen kann. Da stand im Grunde alles drin, worauf wir achten sollten. Wir haben uns auch tatsächlich bei jedem Schritt daran gehalten und unsere Strategie darauf ausgerichtet. Das war sehr hilfreich. Klar wurde mir aber auch, dass es beim Crowdfunding nicht nur ums Geld geht. Crowdfunding ist wie eine Marketingkonzeption; es geht darum, wie man sich eine Community aufbaut, was man wie kommuniziert, natürlich geht es auch um die Kostenfinanzierung, klar.

Warum habt ihr euch für Crowdfunding entschieden? Gab es andere Optionen der Finanzierung?

Auch das. Wir hatten uns zum Beispiel auf diverse Fördertöpfe beworben, so etwa beim Hauptstadtkulturfonds, bei der Kulturverwaltung, Landeszentrale für politische Bildung in Brandenburg und bei einigen Stiftungen wie der Heinrich-Böll-Stiftung, Flick-Stiftung und anderen. Wir haben sogar dem Goethe-Institut und dem Auswärtigen Amt geschrieben. Das hat aber alles nicht geklappt.

Crowdfunding war also die letzte Konsequenz?

Nicht die letzte, Plan B. Meiner Meinung nach hätten wir Crowdfunding aber von Anfang an andenken sollen. Denn wir haben unheimlich viel Zeit und Energie in die Förderanträge gesteckt. Förderungen passen auch einfach nicht zu sowas wie unserem Magazin, auch das wurde mir klar. Denn es geht um eine Publikation, um ein Magazin, und damit auch um ein Produkt für den Markt.

Was war das Positivste, das für dich während der Kampagne hängengeblieben ist? Und was war das Negativste, das du beim nächsten Mal anders oder gar nicht mehr machen willst?

Positiv fand ich die breite Unterstützung meiner Freunde und Familie. Und viele haben die Kampagne geliked, geteilt und uns gutes Feedback gegeben. Das zeigte mir, dass unsere Idee wirklich ankam. Traurig fand ich dagegen, dass ein Like oder Share nicht gleich bedeutet, dass jemand das Produkt auch kauft, im Gegenteil: Gerade bei Instagram scrollen und liken die Leute, aber niemand will bezahlen. Nur 10 Prozent derjenigen, die geliked haben, haben das Magazin auch gekauft.  

Hört sich gar nicht so schlecht an.

Findest du? Ok, vielleicht hatte ich einfach andere Erwartungen. Letztlich war die Kampagne auch wirklich stressig, gerade für mich, weil ich für die Kampagne zuständig war. Für mich steht der Ertrag beim Crowdfunding auch in keinem Verhältnis zum Aufwand.

Das heißt, einmal Crowdfunding und nie wieder?

Für mich heißt es das, ja. Wir werden uns in Zukunft andere Finanzierungswege überlegen. Denn in der Redaktion haben alle gemeinnützig gearbeitet, das können wir nicht noch mal machen. Wir haben zu viele Überstunden gemacht. In Zukunft überlegen wir uns Strategien der Werbefinanzierung und weitere Wege, mal schauen. Für den Anfang war Crowdfunding sicher gut, auch um erstmal zu schauen, wer ein solches Magazin überhaupt will. Ohne Crowdfunding hätten wir das Magazin auch nicht machen können. Unsere Kontakte sind jetzt aber komplett ausgeschöpft. Denn ich glaube nicht, dass meine Freunde bei einer zweiten Kampagne uns noch mal so unterstützen werden.  

Viele bauen ihre Community gerade auf den ersten Kampagnen auf. Es gibt zunehmend Kampeigner, die eine Crowdfunding-Kampagne nach der anderen machen, gerade im Magazinbereich, siehe Kater Demos. Hier lautet die Losung, dass man den Schwung aus den ersten Kampagnen mitnimmt und sich so im Laufe der Zeit eine Leserschaft aufbaut.

Mag sein, dass das bei dem einen oder anderen funktioniert. Bei mir nicht. Bei einem Freund von mir war es auch so. Der ist Fotograf, und die zweite Kampagne lief überhaupt nicht.

Wäre ein Crowdfundig-Abo eine Option?

Ja, darüber denken wir nach. Wir wollen jetzt aber erst mal abwarten, wie das Magazin ankommt. Die Leute müssen von dem Magazin erst mal gehört haben, bevor so etwas funktioniert. Vielleicht wird es auch nicht bei einem Magazin bleiben. Ich habe gelernt, dass Printmedien sehr schwierig sind. Sie sind sehr kostenaufwendig, nicht mehr so viele Leute lesen Printmagazine, viele steigen auf Onlinemedien um. Vielleicht müssen wir das auch. Aber dass wir überhaupt so viel Geld über Crowdfunding zusammengesammelt haben, ohne den Leuten etwas im Vorfeld bieten zu können, ist schon krass.

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